Aktionsflächen - Wo passiert was?


Bocholt - Großblühfläche Suderwick

In Bocholt, Suderwick, entsteht eine große Blühfläche mit der im Projekt entwickelten heimischen Saatgutmischung in unmittelbarer Nähe zur Bocholter Aa angelegt. Auf ca. 5.500 qm wird so eine bunte „Insektenspielwiese“ geschaffen. An dieser können sich fortan Spaziergänger oder Radwanderer bei einer kleinen Pause entlangs des Radwegs an der Bocholter Aa im Stadtteil Suderwick erfreuen. Steckschilder informieren zum Saatgut und zum Projekt dahinter. Die Fläche wurde im Winter 2021/2022 begutachtet und im nächsten Schritt im März 2022 von einem Landwirten eingesät. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse.


Bocholt - Storchennest

An diesem Standort haben wir uns dazu entschieden, ein Nest auf einer privaten Fläche auf Grund seiner zentralen Lage, zu erneuern. Ein Storchenexperte hatte vorher den Standort als "geeignet" bewertet und daher hatten wir uns überlegt, das Nest mit dem NABU und dem ESB Bocholt zusammen zu erneuern. Die gemeinsame Aktion findet ihr hier in den unten stehenden Artikel vom Bocholt Borkener Volksblatt. Die Umsetzungsaktion hat am 12.03.22 stattgefunden und nur eine Woche später schickte uns die Besitzerin eine tolle Videoaufnahme von Störchen, die das Nest begutachten. Wir hoffen, dass nach 10 Jahren nun endlich Störche einziehen.

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Storchennest in Bocholt am Stauwehr erneuert
Storchennest_14.03.2022.pdf
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Velen - Streuobstwiese Tiergarten

Da Streuobstwiesen gerade in ackerbaulich geprägten Landschaften als Rückzugs-und Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten dienen, sind diese besonders schützenwert. Diese traditionelle Grundlage des Obstanbaus ist jedoch nicht nur für die Biodiversität von herausragender Bedeutung, sondern beeinflusst ebenso das lokale Klima positiv, speichert Kohlenstoff und wirkt Bodenerosionen und dem Nährstoffeintrag in Gewässer entgegen.


Bei Besuchen vor Ort durch das Projekt und einem gemeinsamen Besuch mit dem NABU am 15.09.21 wurde klar, dass die Streuobstwiese allein durch ihre Geschichte und zusätzlich dazu, mit ihrem ökologischen Wert ein besonderes Element in der Kommune Velen darstellen.

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Artikel Borkener Zeitung Streuobstwiese
Hier könnt ihr am besten bei der Borkener Zeitung nachlesen was wir an der Streuobstwiese von Lukas und Rainer Dahlke für die Region gemacht haben.
BZ vom 17032022 Seite 16.pdf
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Die Streuobstwiese liegt im historischen Tiergarten Velen. Der Tiergarten wurde gemeinsam mit dem Schlosspark von Johann Conrad Schlaun zu einer weitläufigen Parkanlage entwickelt. Der Tiergarten wurde zum ersten Mal im Jahr 1707 erwähnt. Zur Entwicklung der Parkanlage wurde das ursprüngliche sumpfige Gebiet mittels eines sehr komplizierten Wasserführungssystems trockengelegt. Der Bereich auf dem die Streuobstwiese heute steht diente danach lange als Gemüsebeet und damit der Versorgung der Adelshäuser. Um ca. 1850 wurde das Gemüsebeet dann zu einer einfachen Wiese/Streuobstwiese.

 

Der jetzige Besitzer, Herr Dahlke, hat die knapp 1 Hektar große Obstwiese 2015 von der Familie Landsberg übernommen. Hohe Zäune grenzten früher die Fläche ein und wurden entfernt. Bei der Übernahme war die artenreiche Wiese, unterhalb der Bäume, stark mit Ampfer zugewachsen. Die ältesten Bäume die nach auf der Fläche erhalten sind, haben ein Alter von ca. 80 Jahren. Dieser alte Baumbestand wurde erhalten und alte Obstsorten vom „Alten Land“ wurden dazu gesetzt: z.B.: Gloster, Rote Sternrenette, Goldparmäne. Dem ursprünglichen Charakter der Wiese wurde damit neues Leben eingehaucht. Insgesamt finden sich auf der Wiese: Zwetschgen, Kirschen, Mirabellen und verschiedene Apfelsorten.

 

Mit dem LEADER-Projekt Biodiversität möchten wir unter dem Motto „Bocholter Aa schafft Lebensräume“ in jeder Partnerkommune biodiverse und ökologisch wertvolle Flächen und Bereiche in der Region aufzeigen und in ihrer Entwicklung unterstützen. Warum Streuobstwiesen so wichtig sind, erfahrt ihr auf den Schautafeln von „Natur im Bild“. Um die Streuobstwiese noch artenreicher zu machen, unterstützen wir die Streuobstwiese von Herrn Dahlke mit verschiedenen Nistmöglichkeiten für Vögel und spenden Saatgut, welches im Rahmen des Projektes eigens für unsere Region angefertigt wurde. Die Regionalsaatgutmischung beinhaltet viele heimische Pflanzenarten, die wichtig für unsere heimischen Insekten sind. Die Beratung zur ökologischen Aufwertung der Fläche hat der NABU übernommen.


Velen - Fläche am Regenrückhaltebecken

16.11.21 Hier seht ihr Fotos von Aktionen bei denen wir eine kommunale Fläche in der Kommune Velen aufgewertet haben. Jene befindet sich Pläne in einem Industriegebiet in Velen in Nähe eines Regenrückhaltebeckens. Unterstützt wurden wir von Herrn Dahlke und seinem Mitarbeiter von der Gärtnerei Dahlke.

Integriert werden hier ein heimischer Baum, ein Totholzbereich, eine Hecke, ein Sandarium und ein Insektenhotel. Zusätzlich wird eine Beschilderung an der Straße stattfinden. Das Sandarium haben wir bereits angelegt, es wird jedoch noch ein wenig befestig werden. Wichtig dabei zu sagen ist, dass ein Viertel der Wildbienen Nisthilfen wie ein Insektenhotel nutzen. Dreiviertel aller Wildbienenarten sind jedoch Erdnister. Von den 460 Wildbienenarten hierzulande sind das also 340 Arten (Quelle: https://www.bund-bawue.de/service/meldungen/detail/news/gartentipp-ein-sandarium-fuer-wildbienen-anlegen/). Daher haben wir uns zusätzlich zu einem Insektenhotel für ein Sandarium entschieden. Für die Anlage des Sandariums ist ein Lehmanteil im Sand entscheidend. Grundsätzlich muss ungewaschener Sand mit mittlerer Körnung verwendet werden. Um eine bessere Stabilität zu erreichen haben wir bei unserer geneigten Fläche ein Gemisch aus Sand und Lehm verwendet.

 

Des weiteren haben wir eine Eiche auf der Fläche platziert, um das Mikroklima zu verbessern. Eine schräg platziert Hecke soll das Sandarium vor Schlagregen schützen. Diese besteht aus: Hardriegel, Feldahorn und Kornelkirsche.Insgesamt ist es immer wichtig die drei Faktoren bei der Beplanung mitzudenken:

  • Nahrungsangebot
  • Nistmöglichkeiten
  • Überwinterungsmöglichkeiten


Borken - Rhedebrügge

An diesem Standort arbeiten wir als Projekt zusammen mit der Landwirtschaft und dem Kreis Borken.

 

Gegenüber von diesem Schild befindet sich der wilde Blühstreifen mit regionalen Pflanzen und Tierarten. Dieser dient als ökologischer Puffer zu dem Gewässer der Bocholter Aa und als Futter, sowie Überwinterungsquartier für verschiedenste Insektenarten.

Selfie-Point

Der Standort soll durch seine besondere Lage die Vernetzung von Ökologie, Landwirtschaft und öffentlichem Leben verstärken und auch modellhaft darstellen. Hier soll mit Hilfe der verschiedenen lokalen Akteur:innen im Außenbereich Biodiversität geschaffen, geschützt und für die Öffentlichkeit unter dem Aspekt der Umweltbildung erlebbar gemacht werden. Außerdem soll die Fläche in Kombination mit dem Blühstreifen einen Schwerpunkt in der Umsetzung des Konzeptes zum Vorgehen im Außenbereich darstellen. Die Fläche soll durch Ihre vielfältigen Akterur:innen, welche an deren Gestaltung mitgearbeitet haben ein Leuchtturmprojekt zur Verknüpfung der lokale Akteur:innen darstellen.

 

 

Der entstehende Selfie-Point soll Besucherinnen der Bocholter Aa Radweges anlocken und den Tourismus in der Region stärken. Gleichzeitig soll durch angebrachte Schilder die Aufklärung über Biodiversität in der Region und wie man sie schützen kann ein Beitrag zur Umweltbildung geleistet werden.

Die Rolle der Landwirtschaft

Die Konkurrenz mit einem globalen Agrarmarkt führen zu niedrigen Lebensmittelpreisen im Einzelhandel, da die Herstellungsvorgaben und die Löhne im EU-Ausland häufig niedriger sind als in Deutschland. Das zwingt die vor Ort produzierenden Landwirt:innen dazu ihre Produktion so zu optimieren, dass sie zu den Weltmarktpreisen produzieren können. Dazu gehört auch die optimale Flächenausnutzung. Sprich, möglichst alles muss der Produktion dienen und dort sollte dann auch der optimale Ertrag geerntet werden. Das führt zu Monokulturen und dem Einsatz von chemischen Dünge- und Spritzmitteln.

 

Der Schritt, sich zusätzlich eine eigene Vermarktung aufzubauen welche losgelöst vom Weltmarkt funktioniert und Spielraum für die eigene Handlungsfähigkeit einräumt, bedarf viel Courage und auch ein gewisses Talent für den Verkauf der eigenen Waren.

 

Wie das gelingen kann, können wir am Beispiel des Betriebes Te-Rhedebrügge sehen, welcher den hier dargestellten Blühstreifen entlang der Bocholter Aa ausgesät hat. Hier wurde unser Regiosaatgut verwendet um am Uferrand der Bocholter Aa Schleife einen Blühstreifen anzulegen, welcher dem Artensterben entgegenwirken und Futter für die Insekten liefern soll.

 

Wir haben das Saatgut gestellt und der Landwirt die Maschinen, daher haben wir gemeinsam unsere Informationschilder aufgestellt.


Die Rolle des Kreis Borken

Die Bocholter Aa wurde schon in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts in den jetzigen Zustand ausgebaut und begradigt. Darum sieht man kaum noch etwas vom ehemals mäandrierenden Verlauf des sandgeprägten Tieflandflusses . Es fehlen Nahrungsgrundlagen und Lebensräume, dieses macht die Bocholter Aa ökologisch unattraktiv und führt zu der Gütebewertung „unbefriedigend“.

 

Totholz bringt Leben in die Aa

 

Totholz bestimmt unmittelbar die strukturelle und ökologische Vielfalt in Fließgewässern. Ohne Strukturelemente sind Fische und Makrozoobenthos in ausgebauten Fließgewässern ihren Fressfreinden schutzlos ausgeliefert. Totholz trägt zur biologischen Vielfalt der Bocholter Aa bei und bietet vielen Fischen und deren Nährtieren eine Lebensgrundlage. Durch den Kreis Borken wurden hier Wurzelstubben in die Aa gebaut. Unterstützt wurde er hierbei durch das Land NRW (Quelle: Kreis Borken).

 

Der Kreis hat im Zuge der Flurbereinigungsverfahren auf einigen Gewässerrandstreifen das Recht die Bepflanzungen vorzugeben. In diesem Fall war es auch der Wunsch des Kreises einen Blühstreifen anzulegen, was auch schon von den Mitarbeiter:innen des Kreises angestoßen wurde. Wir haben später das nötige Regionalsaatgut beigesteuert und der Landwirt Te-Rhedebrügge hat dieses für uns auf seiner Fläche ausgebracht.

Fotos: Kreis Borken.


Blühstreifenpflege

 

Für den Blühstreifen wurde hier die extra für das LEADER-Projekt zusammengestellte regionaltypische Saatgutmischung ausgebracht. Über die genaue Zusammensetzung und die Bedeutung könnt ihr hier mehr erfahren. Hier findet ihr auch eine .pdf-Datei in der die gesamte Artenliste abgebildet ist.

 

Nicht nur als Nahrungsquelle soll dieser Streifen dienen, sondern auch als Rückzugs- und Überwinterungsquartier für Falter, Käfer und Co.. Dafür ist es extrem wichtig, dass holzige Stängel über den Winter stehen gelassen werden um einen Unterschlupf für z.B. Marienkäfer und Florfliege zu bieten (Quelle: https://bremen.nabu.de/natur-erleben/garten/gartentipps/26975.html, besucht am 12.10.21)

 

Dafür ist es wichtig, dass der Streifen zum Winter hin gar nicht  abgemäht werden sollte, um genügend Überwinterungsquartiere für die Bewohner:innen des Streifens zu erhalten.

 

Später im Frühsommer (Mai/Juni) kann dann das natürliche Insektenhotel zurückgeschnitten werden um Platz für die Blüten darunter zu machen.

 

Wir haben uns im ersten Jahr dazu entschlossen einen hohen Schnitt durchzuführen, da durch ein zu hohes Aufkommen einzelner Arten, die gesamte Biodiversität auf dem Streifen gefährdet war. Durch eine schonende und angepasste Pflege kann der natürliche Lebensraum der Wildwiese, welcher in den letzten Jahrzehnten immer weiter zurück gegangen ist erhalten bleiben.

 

Zweck & Pflege des Uferrandstreifens

Hochwasserschutz

 

Im Hochwasser aber auch im Gewässerschutz spielen die Ufer des Gewässers selbstverständlich auch eine entscheidende Rolle.

 

Landwirt:innen sind generell angewiesen, einen Mindestabstand zu einem Uferrand bei der Ausbringung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln zu waren. Jenes dient dazu, den Eintrag von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln (PSM) zu vermindern. Wenn man sich einen Acker vor Augen hält, weiß man, dass dort viel mehr rohe Erde zu sehen ist, als bei Grünland oder Uferrandstreifen. Das Risiko, das Phosphat oder ähnliches eingetragen werden ist daher höher als wenn man noch einen Pufferstreifen zum Ufer hat, auf dem weder Dünger oder PSM ausgebracht werden. Vor allen Dingen ist der Vorteil, dass man eine geschlossene Narbe hat (also eine Oberfläche bedeckt mit Pflanzen), die in der Lage sind Düngemittel o.ä. aufzunehmen.

 

„Rund 42.000 Tonnen Stickstoff und über 1.000 Tonnen Phosphor halten Auenbereiche zurück. Wenn man die Reinigungsleistung der Auen mit Maßnahmen zum Nährstoffrückhalt in der Landwirtschaft erreichen wollte, würde dies Kosten in Höhe von rund 500 Millionen Euro pro Jahr verursachen.“ (Quelle: https://biologischevielfalt.bfn.de/archiv/detail.html?no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=4488&cHash=948446969fa35ec51a27ea2cb8418d9a). Daher ist es einfach sinnvoller, bestimmte Bereiche gar nicht zu düngen, als überall und ohne Differenzierung das Düngelimit runterzufahren. Aber aus hochwasserschutztechnischer Sicht können solche Uferrandstreifen zur Minimierung von Ufereinbrüchen o.ä. beitragen. Die Erklärung ist ganz simpel: dadurch, dass durch eine dauerhafte Bepflanzung das Erdreich tief durchwurzelt wird und der Boden langfristig dadurch viel mehr Struktur erhält, ist er sehr viel weniger gefährdet bei einem Hochwasser abzurutschen oder einzubrechen. Zusätzlich wird die Nähe von Steilhängen nicht mit schweren Schleppern befahren und dadurch eine Destabilisierung vermieden. Und vor allen Dingen kommt weniger belastet Sediment ins Gewässer bei dem Falle einer Überströmung des Uferrandstreifens.



Rhede - Industriegebiet

Hurra, hurra wir haben unsere ersten Blühflächen, in Rhede am Kreisel vor der Firma Jemako, angelegt (März 2021). Auf den Fotos seht Ihr uns und den Lohnunternehmer bei der Arbeit. Wichtig war es, zunächst den Müll von den Flächen zu sammeln und dann konnte die Bodenbearbeitung losgehen. Ebenfalls haben wir Informationsschilder aufgestellt, die über unser Projekt informieren.


Begutachtung der Entwicklung der Blühflächen am Kreisel, während einer Radtour mit dem Kreis Rhede, NABU Rhede und der Stadt Rhede im Juli 2021.